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\begin{document}

\title{{\Large Internet-Ökonomie}{\normalsize }\\
\textbf{{}``Open Source''}}


\date{{\Large Stephan Uhlmann <su@su2.info>}{\normalsize }\\
31.08.2003}

\maketitle
\vfill

\selectlanguage{english}
Copyright (c) 2003 Stephan Uhlmann

Permission is granted to copy, distribute and/or modify this document
under the terms of the GNU Free Documentation License, Version 1.1
or any later version published by the Free Software Foundation; with
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\selectlanguage{german}
\newpage



\tableofcontents{}

\newpage




\section{Einführung}

Diese Ausarbeitung zum Vortrag {}``Open Source'' entstand im Rahmen
der Veranstaltung {}``Internet-Ökonomie'' an der Universität Potsdam.
Es werden verschiedene wirtschaftliche Aspekte von Open Source Software
beleuchtet. Als allgemeinen Lesestoff zu diesem Thema empfehle ich
die Literatur, auf die im Anhang verwiesen wird.\cite{key-35,key-36,key-37,key-38,key-39,key-40}

Als kurze Begriffserklärung vorab einige Erläuterungen der wichtigsten
Philosophien aus dem Open Source Umfeld:

\begin{itemize}
\item Open Source: Software, bei der der Quellcode frei verfügbar und veränderbar
ist. Programme die darauf basieren, müssen jedoch nicht wiederum im
Quellcode vorliegen, wenn sie veröffentlicht werden. Diese so genannten
Derivate können also wieder Closed Source werden.\cite{key-20}
\item freie Software: Auch hier ist der Quellcode frei verfügbar und veränderbar.
Im Gegensatz zu Open Source stellt jedoch eine entsprechende Lizenz
sicher, dass bei der Veröffentlichung von Derivaten, der Quellcode
wieder offen gelegt werden muss. {}``Frei'' ist hier also nicht
im Sinne von kostenlos, sondern in der Bedeutung von {}``Freiheit''
gemeint. Freie Software ist eine Teilmenge von Open Source Software
und ist im folgenden immer mit gemeint.\cite{key-21}
\item Shared Source: Software ist im Quellcode einsehbar, darf aber nicht
verändert oder weiterverbreitet werden. Vorher muss ein so genanntes
Non-Disclosure-Agreement unterschrieben werden. Dies ist weniger eine
Philosophie, sondern ein Marketingbegriff aus der PR-Abteilung von
Microsoft, der ihre Lizenz als Alternative zu Open Source erscheinen
lassen soll.\cite{key-23}
\item Closed Source: Die Software ist nicht im Quellcode verfügbar. Daher
kann das Programm auch nicht verändert werden. Sie wird auch {}``proprietäre
Software'' genannt.
\end{itemize}

\section{Open Source Projekte vs. gewinnorientierte Unternehmen}


\subsection{Arbeitsweise \& die Rolle des Internets}


\subsubsection{Open Source Projekte}

Open Source Projekte sind entgegen oft verbreiteter Meinung nicht
chaotisch organisiert sondern meist sogar hierarchisch strukturiert.
Es gibt einen so genannten Maintainer, der das gesamte Projekt koordiniert
und sich dafür verantwortlich fühlt. Meist ist das der Gründer des
Projektes oder aber derjenige, der am meisten zum Projekt beiträgt.
Bei komplexerer Software kann es für verschiedene Teilbereiche eigenständige
Verantwortliche geben, so zum Beispiel zur Koordination der Übersetzungen
oder der Dokumentation. Die Hierarchie insgesamt ist aber nur sehr
flach. Wie z.B. beim KDE-Projekt muss es auch keinen übergeordneten
Maintainer geben. Dann wird eine Person für einen befristeten Zeitraum
bestimmt, die sich um die Abwicklung von Releases (Veröffentlichung
von Meilensteinen) und die Einhaltung von selbst gesteckten Zeitplänen
kümmert.

Das Internet ist von überlebenswichtiger Bedeutung für Open Source
Projekte. Die Mitarbeiter sind global verteilt. Die Kommunikation
untereinander (Email), der Vertrieb der Software (FTP-Server) und
das Marketing (Website) funktionieren nur durch das Internet so direkt,
global und kostengünstig wie es für diese Projekte notwendig ist.

Diskussionen werden auf technischer Ebene geführt. Es wird versucht
immer die beste Lösung zu implementieren. Persönliche Anfeindungen
und {}``Ego-Trips'' sind verpönt und allgemein der beste Weg seine
Reputation in der Gruppe zu verlieren. Man konzentriert sich auf die
Überlegenheit des {}``Produktes'' und muss sich nicht um davon ablenkende
Ziele, wie z.B. time-to-market, Verdrängung der Konkurrenz oder reine
Marketing-Gags wie sie in Unternehmen eine Rolle spielen, kümmern.
Im Gegenzug kann ein Open Source Projekt an sich keine Garantien bzgl.
von Release-Zeiten, Bugfixes oder Supportanfragen bieten. Hier gibt
es jedoch inzwischen auch Unternehmen, die kommerziellen Support für
Open Source Software anbieten.

Bei größeren Projekten wird oft ein Verein gegründet, der eine rechtliche
Dachorganisation bildet (z.B. der KDE e.V.).


\subsubsection{Unternehmen}

Kommerzielle Unternehmen sind in der Regel von stark hierarchischen
Strukturen geprägt. Mitarbeiter arbeiten meist lokal an einem Arbeitsplatz.
Davon gibt es sicher auch Ausnahmen, wie z.B. {}``Klarälvdalens Datakonsult''
oder {}``the Kompany'' die sehr stark global verteilte Mitarbeiter
haben. Nicht zufällig entstammen diese jedoch aus dem Umfeld von Programmierern
freier Software.

Das Internet ist für viele Firmen wichtig, für die wenigsten jedoch
überlebenswichtig. Dies hängt jedoch stark von der Branche ab. In
der Regel können Unternehmen aber zur Not noch mit traditionellen
Kommunikationsmitteln wie Telefon, Fax und Briefpost auskommen, was
bei Open Source Projekten nicht möglich ist.

Die laufenden Kosten für die Gehälter der Mitarbeiter, Miete usw.
zwingen zu wirtschaftlichem Arbeiten und der Notwendigkeit Gewinn
zu erzielen. Primäre Ziele sind Gewinnmaximierung, neue Kunden zu
gewinnen und diese zu behalten sowie strategische Ziele am Markt.


\subsection{Motivation der Beteiligten}


\subsubsection{Entwickler von Open Source Software}

Ein Open Source Projekt entsteht oft dadurch, dass eine Person mit
der Software für sich selber ein konkretes Problem lösen möchte. Zusätzliche
Quellen der Motivation, können der Wunsch etwas Neues zu lernen sein.
Nicht zu vernachlässigen ist auch die Anerkennung, die einem widerfährt,
wenn man merkt, dass eine Software von anderen Menschen auf der Welt
benutzt und gebraucht wird. Diese Verbindung zwischen der Software
und der eigenen Reputation spornt wiederum an, möglichst qualitativ
gute Software zu veröffentlichen. Mitarbeiter an besonders großen
und prestigeträchtigen Open Source Projekten können damit z.B. auch
ihren Lebenslauf aufwerten. Viele Firmen erkennen diese Mitarbeit
sehr wohlwollend an bzw. stellen gezielt Entwickler eines Projektes
an. Exzellentes technisches Know-How, Teamfähigkeit, Managementqualitäten
lassen sich auch am Erfolg eines Projektes ablesen. Für viele professionelle
Softwareentwickler ist der Antrieb aber auch gerade die Auslebung
eigener Kreativität, abseits der Einschränkungen bei der täglichen
Arbeit.


\subsubsection{Anwender von Open Source Software}

Wichtigstes Argument für Open Source Software scheint meist das Fehlen
von Lizenzkosten zu sein. Das ist sicher für viele ein wichtiger Aspekt,
doch es gibt andere, für manche viel wichtigere Gründe Open Source
Software einzusetzen. Der grosse Unterschied ist ja, dass der Quellcode
einsehbar, modifzierbar und frei verteilbar ist.

Die im Programm implementierten Verfahren sind jederzeit auf ihre
Korrektheit und Sicherheit überprüfbar. Sicherheitslöcher werden meist
schnell erkannt und können im Notfall selber direkt im Quellcode behoben
werden, auch wenn noch keine neue Version veröffentlicht wurde. Man
ist dadurch nicht von der Freigabe neuer Versionen abhängig.

Als Beispiel, dass dies gar nicht so weit hergeholt ist, sei hier
ein Fall aus meiner persönlichen Praxis erwähnt. Für ein Marktplatzsystem
auf einem Webserver der Firma, für die ich arbeite, wird die Skriptsprache
PHP eingesetzt. Dort wurde nun ein Sicherheitsloch bekannt, welches
in einer neueren Version behoben wurde. Wir konnten diese neue Version
jedoch wegen bestimmter Seiteneffekte nicht einsetzen. Da es für uns
selber zu lange gedauert hätte, den Bugfix in die ältere Version einzupflegen,
haben wir einen PHP-Entwickler engagiert, der das kurzerhand erledigt
hatte. Mit proprietärer Software wäre das Problem nicht so leicht
zu lösen gewesen.

Die Verfügbarkeit des Quellcodes sichert daher auch die Wartbarkeit
der Software über das bestehen des Projektes hinaus. Dieser Investitionsschutz
ist bei Closed Source Software nicht gegeben. Verschwindet z.B. das
Unternehmen, dass die Software entwickelt hat, dann gibt es keine
Möglichkeit die Software durch andere Programmierer weiter pflegen
zu lassen.

Die Chance, dass im Programm für den Anwender unerwünschte Routinen
versteckt sind, wie z.B. so genannte Backdoors oder Spyware, kann
nahezu ausgeschlossen werden. Sowas wäre nur schwer bis gar nicht
möglich versteckt zu halten. In besonders sicherheitskritischen Anwendungsgebieten
(staatliche Einrichtungen) ist das sicher ein entscheidendes Kriterium.

Auch wenn nicht jeder den Quellcode nun auch verändern kann oder möchte,
impliziert diese allgemeine Offenheit doch Vorteile, die proprietäre
Software meist nicht bietet. Open Source Projekte bieten z.B. die
Möglichkeit in direkten Kontakt mit den Entwicklern zu treten. Feedback
zu geben und Fehler zu melden geben das Gefühl etwas {}``zurückzugeben''
und so zum Projekt beizutragen.


\subsubsection{Akteure in einem Unternehmen}

Zur Vervollständigung des Bildes sei hier noch die typische Motivation
für Arbeitnehmer, Geschäftsführer, Investoren usw., sich an einem
Unternehmen zu beteiligen, erwähnt: primäres Ziel ist es Geld zu verdienen.
Einige verfolgen aber sicher auch die eigene Selbstverwirklichung.


\section{Open Source im Unternehmen}


\subsection{Alles anders?}

Für Unternehmen als Anwender von Software spielt die Art der Software
selten eine Rolle. Es kommt darauf an, dass eine bestimmte Aufgabe
erledigt wird. Daher verändert die Entscheidung, Open Source Software
einzusetzen oder zumindest in den Auswahlprozess mit einzubeziehen,
normalerweise gar nichts. So erklärt sich z.B., dass im Bereich der
Webserver-Software, wie sie als Basis für E-Commerce benötigt wird,
der Apache einen Anteil von 63\% erlangt hat\cite{key-27}. Ebenso
ist das freie Betriebssystem GNU/Linux im Backend, auf Servern, z.B.
bei ISPs oder auch im Embedded-Bereich, weit verbreitet. Dort spielt
hauptsächlich die Eignung der Software für die jeweilige Aufgabe eine
Rolle.

Etwas anders sieht es bei Unternehmen aus, die selber Softwareentwicklung
betreiben. Will man hier vom bisherigen Ansatz proprietärer Software
abrücken, bedarf es anderer Geschäftsmodelle, diese möglichst gewinnbringend
zu vermarkten. Insbesondere können Märkte, die bisher unprofitabel
waren, einen speziellen Bedarf am Quellcode haben oder zum Prestigeaufbau
geeignet sind, angegangen werden. Verschiedene Geschäftsmodelle werden
im folgenden beschrieben.


\subsection{Geschäftsmodelle}


\subsubsection{Software als Produkt}

Auch Open Source Software lässt sich als Produkt vermarkten. Beispiele
dafür sind die vielen kommerziellen Linux-Distributionen wie SuSE,
RedHat oder Mandrake. Sie verpacken den Linux-Kernel als Betriebssystem,
sowie etliche Open Source Software zu einem Komplettpaket. Dazu gibt
es dann komfortable Installations-Software, Handbücher usw. Diese
Distributoren arbeiten zwar meist nur kostendeckend, versuchen dann
aber über zusätzliche Dienstleistungen Gewinn zu machen.

Ein weiteres interessantes Beispiel ist die Firma Trolltech. Diese
verkauft ihre C++-Klassenbibliothek {}``Qt'', die auch als freie
Software unter der GPL-Lizenz veröffentlicht wird. Unter anderem basiert
die KDE-Desktopumgebung auf der Qt. Möchte nun eine Firma die Qt für
ein proprietäres Produkt verwenden, so wäre dies nicht möglich, da
die GPL-Lizenz das verbietet. Trolltech verkauft die Qt jedoch zusätzlich
unter einer anderen, nicht-GPL-Lizenz, bei der der auf Qt basierende
Quelltext nicht im Quellcode verfügbar gemacht werden muss. Als Autor
und alleiniger Inhaber des Copyrights ist ihnen dieses {}``Dual-Licensing''
erlaubt. Dies ermöglicht beides miteinander zu vereinen: für die einen
freie Software, für die anderen proprietäre Software. Je nachdem was
gewünscht wird.


\subsubsection{kostenlose Lock-Produkte / Marktpositionierung}

In weniger profitablen Märkten verteilen Unternehmen ihre Software
oft als kostenlose Lockprodukte. Sie erhoffen sich, durch darauf aufbauende
Geschäfte Gewinn zu machen. Oft wird auch versucht, sich in einem
neuen Marktsegment erstmal möglichst schnell einen großen Marktanteil
zu sichern. Software, die in diese Kategorien fällt, kann ohne Probleme
zu Open Source gemacht werden.

Beispiele sind hier der Browser Netscape, jetzt Mozilla, der durch
die Firma Netscape 1998 als Open Source freigegeben wurde, nachdem
das langjährige Monopol durch den Microsoft Internet Explorer ins
Wanken geriet und sich das Geschäft für Netscape nicht mehr rechnete.
Ein weiteres Beispiel ist Sendmail, eine Software für Mailserver.
Hier ist das Basisprodukt Open Source und bestimmte Zusätze können
von der Firma Sendmail Inc., eine Gründung der Kern-Entwickler, erworben
werden.


\subsubsection{Dienstleistungen}

Rund um Open Source lassen sich natürlich auch die typischen Dienstleistungen
wie Support, Training und Consulting gewinnbringend vermarkten. In
Deutschland gibt es viele solcher Firmen, wie z.B. LinuxCare, SuSE,
Gonicus (ehem. ID-PRO), Bytec, innominate, um nur einige zu nennen.


\subsubsection{Hardware-Zugaben}

Hersteller von Hardware veröffentlichen oft ihre Treiber und andere
Spezialsoftware als Open Source, da diese ohnehin nicht zum Kerngeschäft
gehören. Firmen wie IBM oder Cobalt Networks (seit 2000 zu Sun), benutzen
auch Open Source Software, um ihre Systeme mit einem vorinstallierten
Betriebssystem auszuliefern.


\subsubsection{Zubehör}

Nicht zuletzt gibt es auch einen Markt an Zubehör wie Bücher, T-Shirts,
Plüschtiere etc., die z.B. von der Firma O'Reilly oder Lehmanns Fachbuchhandlung
erworben werden können.


\subsection{Vorteile \& Nachteile \& Mythen}

Open Source Software hat viele Vorteile aber auch ein paar Nachteile.
Es existieren jedoch auch einige {}``Mythen'', die immer noch Meinungen
prägen.

Vorteile sind die Möglichkeit zur Einsicht in den Quellcode und eigene
Modifikationen daran vorzunehmen. Durch diese Möglichkeit des {}``peer
reviews'' wird nicht zuletzt auch die Sicherheit der Software erhöht.
Durch die Offenlegung und Verbreitung des Quellcodes kann eine Open
Source Software nicht einfach so {}``verschwinden'' und kann jederzeit
neu angepasst werden, was einen gewissen Investitionsschutz darstellt.
Man ist nicht abhängig von einem Anbieter. Es fallen keine Lizenzkosten
an. Es gibt keine Beschränkungen des Einsatzgebietes der Software.
Open Source Software ist meist stabiler, da die Entwickler keinem
Zeitdruck zu Veröffentlichungen oder anderen marketing-strategischen
Zwängen unterliegen. Die so genannte {}``Bananensoftware'', wo eilig
eine Beta-Version als fertiges Produkt verkauft wird, um dann erst
beim Kunden über Hotfixes und Patches zu {}``reifen'', findet man
bei Open Source Software so gut wie nie.

Nachteilig ist oft, dass die Installation von Open Source Software,wenn
sie nicht über einen Distributor erworben wurde, etwas komplizierter
ist. Unternehmen brauchen daher eher besonders geschultes Personal
in ihrer Systemadministration, was sich natürlich auf die so genannte
TCO (Total Cost of Ownership) auswirkt.

Eines der Mythen ist, dass es zu Open Source Software keinen Support
gibt. Neben den vielen Firmen, die professionellen Support als Dienstleistung
anbieten, leistet jedes Open Source Projekt natürlich Hilfestellung
zu ihrer Software. Man hat direkten Kontakt zum Entwickler und es
gibt oft einen großen und kompetenten Nutzerkreis, die sich über das
Internet organisiert, gegenseitig helfen. Als einziger Nachteil wäre
hier vielleicht die fragmentierte Struktur des Supports zu nennen.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie ein Projekt kommuniziert,
z.B. Mailinglisten, IRC, Foren oder Bugtracker-Formulare auf der Website.

Ein weiterer Mythos ist die Annahme, dass Open Source Software völlig
unkontrolliert und chaotisch entwickelt würde. Dies ist jedoch nicht
der Fall. Der Maintainer eines Projektes, ist als {}``wohlwollender
Diktator'' der Koordinator des Projektes und fällt Entscheidungen
zusammen mit den anderen Team-Mitgliedern. Sobald mehrere Entwickler
an einem Projekt arbeiten, wird auch ein Versionskontrollsystem eingesetzt,
dass die einzelnen Änderungen leicht nachvollziehbar macht. Durch
den {}``peer review'', also das gegenseitige Begutachten und Testen
der Änderungen der anderen, wird auch verhindert, dass jemand einfach
irgendeinen Quatsch zum Quellcode hinzufügt.

Unternehmen, die Open Source Software einsetzen wollen, fragen oft
nach Rechtsverbindlichkeiten. Diese sind zugegebener Maßen nicht vorhanden.
Dafür sorgen schon die verschiedenen Open Source Lizenzen, die den
Entwickler auch vor Haftung schützen. Gleiches gilt jedoch auch für
proprietäre Software. Microsoft würde niemals Schadensersatz für die
Umsatzeinbußen bezahlen, die einem E-Commerce-Unternehmen entstanden
sind, weil jemand durch ein Sicherheitsloch im Internet Information
Server in ihren Webserver eingebrochen hat.


\section{Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft}


\subsection{Der Ursprung und der große Hype}

Der Ursprung von Open Source liegt in der Kultur der Kultur des Teilens.
In den Anfangstagen der Computer war es üblich, Software untereinander
auszutauschen und sich gegenseitig zu helfen. Sozusagen von Hacker
für Hacker. (Der Begriff {}``Hacker'' wird übrigens weitläufig missverstanden.
Gemeint sind enthusiastische Computer-Freaks und nicht Leute, die
in fremde Systeme einbrechen. Letzteres sind {}``Cracker''.) Mit
der zunehmenden Kommerzialisierung der Softwareentwicklung ging diese
Kultur verloren, was einige Leute, allen voran Richard Stallman, veranlasste
1984 das GNU Projekt und die Free Software Foundation zu gründen\cite{key-28}.
Mit zunehmendem Erfolg von Linux und freier Software allgemein während
des dot-com-Hypes, entwickelte sich der Wunsch freie Software mehr
zu kommerzialisieren. Das Ergebnis war die Gründung der Open Source
Initiative (OSI) im Jahr 1998\cite{key-30}. Diese erst prägte den
etwas eingängigeren Begriff {}``Open Source'', ließ aber einige
der eher philosophischen Ideale der Free Software Foundation und dem
Begriff freier Software weg.

Größere Aufmerksamkeit, auch in den Mainstream-Medien, bekam Open
Source im Jahr 1998 als Netscape ihren Browser als Open Source Software
veröffentlichten\cite{key-31}. Die so genannten {}``Halloween Dokumente''\cite{key-34}
aus dem gleichen Jahr, in denen Microsoft Linux als eine Bedrohung
für ihr Geschäft identifiziert, blähten die Erwartungen weiter auf.
Der Börsengang des Distributors RedHat, dessen Aktie am ersten Handelstag
1999 von \$14 auf \$5 schnellte und Anfang 2000 schon bei \$260 lag,
spiegeln auch hier die großen Erwartungen wider, die in Linux und
Open Source gesetzt wurden. VA Linux hält seit 1999 den ungebrochenen
Rekord von fast 700\% Wertzuwachs (von \$30 auf \$239) der Aktie am
ersten Handelstag\cite{key-41}. Dies waren jedoch die allgemein übersteigerten
Erwartungen im IT-Sektor zu dieser Zeit.


\subsection{Die Ernüchterung und der status quo}

Viele Insolvenzen im IT-Sektor brachten dann die Ernüchterung und
das Zerplatzen der dot-com-Seifenblase. VA Software (ehem. VA Linux)
lag im April diesen Jahres bei einem Wert von \$0.87 pro Aktie. Andere
Unternehmen erholen sich langsam und sind dabei sich fest am Markt
zu etablieren. RedHat zum Beispiel hatte im Jahr 2001 einen Umsatz
von \$78.9 Millionen und einen Verlust von \$140.2 Millionen. Im Jahr
2002 waren es schon \$90 Millionen Umsatz und nur noch \$6.4 Millionen
Verlust.

Open Source gerät auch zunehmend auf den Radar der Regierungen und
der Politik. In Deutschland fördert das Bundesamt für Sicherheit in
der Informationstechnik das Projekt {}``Ägypten'' innerhalb ihres
Projektes SPHINX zur elektronischen Signatur und Verschlüsselung in
der öffentlichen Verwaltung. Ziel ist, dass hier auch Open Source
Software eingesetzt werden kann und nicht einseitig auf Microsoft-Produkte
gesetzt wird. Eine ähniche Zielsetzung im Bereich der Groupware-Lösungen
hat die Förderung des Kroupware-Projektes durch die gleiche Behörde.
{}``Open Source in der Verwaltung'' ist ein im Moment stark diskutiertes
Thema. Das Innenministerium hat mit IBM einen Kooperationsvertrag
zur Förderung von Open Source Software abgeschlossen. Ziel ist es,
diese in der Beschaffung überhaupt erstmal als Alternative zu berücksichtigen.
Entscheidungen für Open Source Software, fanden in der Presse zum
Teil viel Beachtung. So z.B. Anfang 2002 die Aktion {}``Bundestux''\cite{key-6},
bei der der Ältestenrat über die zukünftige Softwareausstattung im
Bundestag zu entscheiden hatte oder die Entscheidung der Stadt München
im Mai 2003, dass die ca. 14.000 Computer von Windows auf Linux umgestellt
werden sollen\cite{key-1}.

Doch auch in der freien Wirtschaft setzen viele Unternehmen zunehmend
auf Open Source. So wurde z.B. das neue Redaktionssystem der Zeitung
{}``taz'' komplett auf Open Source Komponenten umgestellt\cite{key-7}.


\subsection{Chancen und Gefahren}

Eine der Auswirkungen der weiteren Verbreitung von Open Source Software
wird mehr Wettbewerb sein. Beim Ringen um die Entscheidung der zukünftige
Softwareausstattung der Stadt München hatte sich überraschend Microsoft-Chef
Steve Ballmer persönlich eingeschaltet\cite{key-8}. Auf einmal konnte
sogar ein um glatt sieben Millionen Euro günstigeres Angebot gemacht
werden\cite{key-11}. Zukünftig werden solcherlei Entscheidungen also
zunehmend pragmatischer nach reinen Kosten/Nutzen-Abwägungen gefällt.
Hier hat Open Source Software klare Vorteile.

Doch auch ein zunehmender Leidensdruck auf Seiten der Anwender wird
einen Trend weg von monopolistischen Konzernen, bei denen Zwangsregistrierungen\cite{key-17},
Spyware\cite{key-15} und Kontrollen durch Lizenzwächter\cite{key-13}
an der Tagesordnung sind, hin zu Open Source Software auslösen.

Zu wünschen wäre, dass Open Source Software durch den Wegfall der
Lizenzkosten dazu beiträgt, die digitaleKluft zwischen Menschen die
an der Informationsgesellschaft teilhaben können und denen die es
sich nicht leisten können, kleiner wird. Ebenso ist es nun vielleicht
auch mehr Unternehmen aus Entwicklungsländern möglich, in den IT-Markt
einzutreten.

Aktuell bedroht wird Open Source durch die Bestrebungen Patente auf
Software auch in Europa zuzulassen\cite{key-18}. Kein Entwickler
eines Open Source Projektes könnte sich die notwendigen Patentrecherchen
leisten, um der Gefahr ein fremdes Patent zu verletzen aus dem Weg
zu gehen. So bliebe nichts weiter übrig, als zu hoffen nicht verklagt
zu werden.

Eine weitere Bedrohung in der Zukunft könnte die Einführung von TCPA\cite{key-19}
in Computern werden. Open Source Projekte würden sich die Kosten für
eine Lizensierung ihrer Software nicht leisten können.

\newpage

\begin{thebibliography}{10}
\bibitem{key-35}Frank Hecker, \char`\"{}Setting Up Shop\char`\"{}\\
http://www.hecker.org/writings/setting-up-shop.html
\bibitem{key-36}Naomi Hoffman, \char`\"{}Open Source Software\char`\"{}\\
http://public.kitware.com/VTK/pdf/oss.pdf
\bibitem{key-37}Eric Lee Green, \char`\"{}Economics of Open Source Software\char`\"{}\\
http://badtux.org/home/eric/editorial/economics.php
\bibitem{key-38}Stefan Koch, \char`\"{}Produktivität in der Software-Entwicklung -
Spezialfall Open Source: Open Source Software-Entwicklung\char`\"{}\\
http://wwwai.wu-wien.ac.at/\textasciitilde{}koch/lehre/oss-ws-01/oss\_allg/
\bibitem{key-39}Eric S.Raymond, \char`\"{}The Cathedral and the Bazaar\char`\"{}\\
http://www.catb.org/\textasciitilde{}esr/writings/cathedral-bazaar/
\bibitem{key-40}Eric S.Raymond, \char`\"{}The Magic Couldron\char`\"{}\\
http://www.catb.org/\textasciitilde{}esr/writings/magic-cauldron/
\bibitem{key-20}{}``The Open Source Definition''\\
http://www.opensource.org/docs/definition.php
\bibitem{key-21}{}``The Free Software Definition''\\
http://www.fsf.org/philosophy/free-sw.html
\bibitem{key-23}{}``Microsoft Shared Source''\\
http://www.microsoft.com/resources/sharedsource/default.mspx
\bibitem{key-27}{}``Netcraft: August 2003 Web Server Survey''\\
http://news.netcraft.com/archives/2003/08/01/august\_2003\_web\_server\_survey.html
\bibitem{key-28}{}``About the GNU Project''\\
http://www.fsf.org/gnu/gnu.html
\bibitem{key-30}{}``History of the OSI''\\
http://www.opensource.org/docs/history.php
\bibitem{key-31}{}``Netscape Press Release{}``\\
http://wp.netscape.com/newsref/pr/newsrelease558.html
\bibitem{key-34}{}``The Halloween Documents''\\
http://www.opensource.org/halloween/
\bibitem{key-41}{}``Start-ups und Linux (1) - Gründen mit dem Pinguin''\\
http://www.faz.net/s/Rub3C0B5C86BD3E4C2F8DE593FFA3707EEE/Doc\textasciitilde{}E225EC0634B5B43B284857516D5001820\textasciitilde{}ATpl\textasciitilde{}Ecommon\textasciitilde{}Scontent.html
\bibitem{key-6}{}``Bundestux - Pinguine ins Amt''\\
http://www.bundestux.de/
\bibitem{key-1}{}``Microsoft kann in München nicht \char`\"{}fensterln\char`\"{}
{}``\\
http://www.heise.de/newsticker/data/anw-28.05.03-004/
\bibitem{key-7}{}``Die drei von der Tankstelle''\\
http://www.taz.de/pt/2002/04/20/a0150.nf/text
\bibitem{key-8}{}``Der Kunde ist auf jeden Fall Sieger''\\
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/artikel/994/11983/
\bibitem{key-11}{}``Microsoft gibt nicht auf''\\
http://www.sueddeutsche.de/muenchen/artikel/104/12092/
\bibitem{key-17}{}``Ihr Recht auf Daten: Microsoft-Zwangsregistrierung''\\
http://www.pcwelt.de/ratgeber/windows/18925/
\bibitem{key-15}{}``Ministerium: HP verletzt Datenschutz ''\\
http://www.heise.de/newsticker/data/tig-10.03.03-000/
\bibitem{key-13}{}``Drohbriefe an Software-Kunden''\\
http://www.heise.de/newsticker/data/cp-22.05.97-000/
\bibitem{key-18}{}``FFII: Software Patents in Europe''\\
http://swpat.ffii.org/
\bibitem{key-19}{}``TCPA / Palladium Frequently Asked Questions''\\
http://www.againsttcpa.com/tcpa-faq-en.html\end{thebibliography}

\end{document}
